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Nachbericht

Welterbestadt Lübeck im Zeichen des Kulturguts Tango

Vom 20. bis 23. Juni 2019 wurde auf unsere Initiative in Kooperation mit dem Kulturbüro KLANGWORK ein neues Kulturfestival unter dem Titel „LÜBECK talks TANGO“ durchgeführt. Den Impuls gaben die Jubiläen „10 Jahre Tango im UNESCO Weltkulturerbe“, „20 Jahre Tangoschule PARCOUR“ und „30 Jahre Tango in der Welterbestadt Lübeck“.

„Tango sind zwei ernste Gesichter und zwei Hinterteile, die sich amüsieren.“ Der Spruch spiegelt ein gern kolportiertes Klischee, welches dem Kulturgut anhaftet, seit es seinen Weg von Argentinien und Uruguay zurück nach Europa gefunden hat. Das neue Festival „LÜBECK talks TANGO“ will dem entgegenwirken. „Zwar möchte wir den Tango als Tanz pflegen, aber auch Einblicke in das große Œuvre der Tangokultur ermöglichen und die vielen anderen Facetten aufzeigen“, betont die Veranstalterin Jutta Ottenbreit. Dafür hatte sie sich professionelle Beratung von der Kulturmanagerin Birgit Chlupacek geholt, die selbst Tangotänzerin ist, aber darüber hinaus reichlich Erfahrungen als Veranstalterin eines eigenen Klassikfestivals in Bayern und anderer überregionaler Kulturformate mitbringt. Gemeinsam gestalteten sie das Grundkonzept für das erste „Festivalito“ und überzeugten damit die städtischen wie regionalen Kulturförderer, darunter die Possehl, die Gemeinnützige Sparkassenstiftung und das Kulturbüro der Hansestadt.

Das Gesamtprogramm bot die Möglichkeit, Workshops mit einem Profi aus Buenos Aires zu besuchen, und reichte bis zu einem Tango-Ball und Konzerten, die trotz renommierter Künstler und internationaler Musiker im Eintritt bezahlbar blieben. Das sorgte für eine gute Auslastung und lockte zudem eine Vielzahl von nicht tanzenden Gästen an. Eine noch breitere Zielgruppe wurde durch die Integration von Themen-Kollagen in den Bereichen Film, Kunst und Literatur angesprochen. Einige Gäste kamen aus Südfrankreich oder Dänemark angereist, um den Festivalbesuch mit einem Kurzurlaub in der Hansestadt zu verknüpfen. Zudem gab es zahlreiche „Zaungäste“, die über die umfangreiche Stadtwerbung auf das Tango-Festival aufmerksam geworden waren.

Hervorgehoben werden muss das Sozialprojekt „Tango bewegt“ mit zwei von PARCOUR gestellten Therapeuten, dem Leiter Torsten Lengsfeld und Bewohnern einer MARLI-Einrichtung, das sich dem Thema Inklusion widmete. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Musik für alle!“ bekamen 20 Teilnehmer/-innen einer MARLI-Gruppe einen Schnupperkurs im Tangotanzen unter Anleitung der Therapeuten. Die anderen Bewohner der Einrichtung waren Zuschauer und folgten aufmerksam dem Geschehen wie in einem Konzert. Zuvor waren im Gespräch nicht nur die therapeutischen und künstlerischen Möglichkeiten bzw. Wirkmechanismen des Angebotes erörtert worden. Die Überwindung von individuellen, aus einer Behinderung resultierenden Barrieren wurde als Zielbereich fixiert und bestätigte sich auch konkret im Verlauf des Kurses. So konnten nicht nur gehbehinderte Menschen, sondern auch Menschen im Rollstuhl aktiv einbezogen werden.Zwei Tage später wurde in einer weiteren Einrichtung von MARLI ein Tango-Brunch organisiert, bei dem die Besucher tanzen und in den Genuss der besonderen Küche des Museumscafés „Marlistro“ kommen konnten. Die Leiterin Martina Bachorski freute sich über die Kooperation und nutzte die Gelegenheit, das vielfältige Engagement von MARLI vorzustellen.

Den Abschluss der vier Festivaltage bildete ein spartenübergreifendes Projekt im literarisch-musikalischen Kontext. Die Lübecker Schauspieler Rebecca Indermauer und Peter Grünig rezitierten, begleitet von improvisierter Musik des Saxophonisten Stefan Kuchel und des Stummfilm-Pianisten Richard Siedhoff (aus Weimar), Prosa des Lübeckers Günter Grass sowie anderer Autoren von Tango-Literatur. Die Soiree lockte auch nicht tanzende Neugierige an, die sich für den Tango in der Musik und Literatur interessierten und den stilvollen, bewirteten Rahmen im Kultursalon vom Hotel Fisher’s Loft genießen wollten.

„Das Ergebnis darf als erster kleiner Erfolg gewertet werden, bedenkt man, dass sich ,LÜBECK talks TANGO‘ als selbsttragendes Kulturformat erst im Aufbau befindet. Wenn man alle Angebote in der Summe betrachtet, hatten wir gut 450 Besucher. Potenzial besteht vielleicht noch darin, die Tage internationaler sowie touristisch nachhaltiger zu gestalten, etwa das auf für den Tango wichtige Auswandererthema unter die Lupe zu nehmen, und dann als jährlich wiederkehrendes Kulturereignis für die Region zu implementieren“, so die Veranstalterin Jutta Ottenbreit, deren Tangoschule dieses Jahr ebenfalls 20-jähriges Jubiläum feiert.

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